In diesen Tagen wurde in einem der kapitalistischten und konsumfreudigsten Ländern der Erde (USA) eine indigene Frau zur Innenministerin ernannt und damit verantwortlich für die Verwaltung allen bundeseigenen Landes inklusive des Schutzes und der Ausweisung von Nationalparken, Naturschutzgebieten, Entscheidungen über die Nutzung von Rohstoffen, den Einsatz von Fracking zur Ölgewinnung sowie für alle Angelegenheiten der indigenen Bevölkerung: Deb Haaland aus New Mexico. Welch eine sensationelle Entwicklung, die hierzulande nur eine Randnotiz in den Nachrichten wert war.

Was würde passieren, wenn in Deutschland eine Frau als Bundesministerin verantwortlich für die Belange von Land- und Forstwirtschaft würde, der die Erde heilig und eine Mutter ist, die Natur nicht als Rohstoffquelle sieht und berechnet in ihrer Funktionalität für die Gesellschaft, sondern die eine lebendige Beziehung zur Erde , zu allen ihren Wesen und dem Wasser als Quelle allen Lebens pflegte?

Was würde passieren, wenn diese Frau die Art und Weise wie hierzulande das Land, die Wälder und das Wasser behandelt würden, radikal verändern lassen würde, so dass das Prinzip Leben Grundlage aller Entscheidungen würde?

Was würde passieren, wenn die Menschen erleben würden, wie bereichernd, vielfältig und nährend sich ihre Umwelt plötzlich anfühlen würde, welche Ehrfurcht sie erweckt und wie wohltuend es sich anfühlt, im Einklang mit ihr zu leben und zu wirken?

Diese Frau würde mit ihrer tiefen Beziehung zur Natur nicht allein dastehen, nein, sie würde einen immer stärker wachsenden Anteil der Bevölkerung repräsentieren, der das alte Paradigma von Natur als reinem Rohstofflieferanten des Menschen endgültig hinter sich lassen möchte, der hier mitten im Europa des 21. Jahrhunderts beginnt, mehr und mehr anzuerkennen, dass das Prinzip Leben ein Kreis ist, dem der Mensch angehört, den er aber nicht beherrschen kann, in dem er sich nicht den Konsequenzen des eigenen Tuns entziehen kann.

„Was ist Euch heilig?“ wurden die Teilnehmer*innen einer Aktionärsversammlung einer großen Bank gefragt, die den Bau weiterer Öl-Pipelines durch  eine wasserspendende Flusslandschaft und  heilige Stätten indigener Minderheiten finanziert.

Eine gute Frage. Was ist uns heilig?

am Weltwassertag, 22.03.2021